Martin Ebeling

Veranstaltungen im Wintersemester 2018/19


Absolutes und relatives Gehör

Do. 12:00–14:00 · EF 50 Raum 4.310 · Beginn: 18.10.2018 · 160130

Die Fähigkeit von Absoluthörern, Töne ohne Referenzton unmittelbar benennen zu können, ist zu-mindest im europäischen Kulturkreis so selten, dass sie dort als eine besondere und rätselhafte Be-gabung gilt. Bei vielen musikalischen Aufgaben ist das absolute Gehör (AG) sehr nützlich, es kann aber auch bei bestimmten musikalischen Tätigkeiten stören.
Seit über 100 Jahren wurden und werden die Eigenschaften des AG in einer Vielzahl von Studien unter verschiedenen Gesichtspunkten systematisch untersucht. Es wurden verschiedene Spekulatio-nen und Modelle über die Ursachen des AG vorgelegt, ohne aber zu überzeugende Beweisen zu ge-langen. Das AG ist bis heute ein Rätsel der menschlichen Wahrnehmung.
Auch wenn die bisherigen Untersuchungen zum AG keine Erklärung für dieses Wahrnehmungsphä-nomen geben können, führen sie dennoch zu einem vertieften Verstehen der Wahrnehmungspsycho-logie und der kognitiver Konzeptbildung, zu Einsichten in die auditiven Verarbeitungsprozesse und die neuroakustische Orginasition, die alleine schon das AG zu einem lohnenden Untersuchungsge-genstand machen.


Kursinhalte:
relatives und absolutes Gehör: Unterschiede und Gemeinsamkeiten;
Typologie des absoluten Gehörs;
Hören Inhaber des AG die Musik anders als Hörer mit relativem Gehör?
Das AG auf neurologischer Ebene;
verschiedene Theorien des AG.

Lit.:

•    Diana Deutsch (1982): Psychology of music, New York: Academic Press Inc.
•    Donald E. Hall (2008), Musikalische Akustik, Mainz: Schott, Emil-Figge-Bücherei: MUT 840/4.
•    Eva-Marie Heyde (1987), Was ist absolutes Hören? München: Profil, Zentralbibliothek Yf1623.
•    Albert Wellek: Das absolute Gehör und seine Typen. Bern 1970.


Instrumentenkunde

Do. 14 bis 16 Uhr · EF 50 Raum 4.310 · Beginn: 18.10.2018 · 160131

Der hergebrachten Einteilung der Musikinstrumente nach ihrer Spielweise (Streichinstrumente, Zupfinstrumente, Tasteninstrumente u.s.w.) stellten Erich Moritz v. Hornbostel und Curt Sachs eine Systematik der Musikinstrumente gegenüber, die die Instrumente nach der Art des Klangerzeugers (schwingende Saite, Luftsäule, Membran oder Platte u.s.w.) ordnete. Diese Einteilung nach einem akustischen Kriterium erlaubt es, die Klangeigenschaften der Instrumente auf wenige physikalische Grundsätze zurückzuführen, die für ganze Instrumentenfamilien gültig sind. Die Musikinstrumente der verschiedenen Epochen und Völker lassen sich damit als unterschiedliche Realisierungen einiger weniger akustischer Grundprinzipien verstehen. Im Kurs werden diese Grundprinzipien mit den Mitteln der modernen musikalischen Akustik verdeutlicht und die Klangerzeugung, die verschiedenen Spielweisen, die Umfänge und die Klangwirkungen der im Bereich der westlichen Musik etablieren Musikinstrumente besprochen. Daneben werden außereuropäische Formen der verschiedenen Instrumentenfamilien an Beispielen dargestellt. Mit freier Computersoftware können einfache Klanganalysen durchgeführt werden.


Kursinhalte:
Hornbostel-Sachs-Systematik, die wichtigsten Beispiele der Ideophone, Aerophone, Chordophone, Membranophone und der elektroakustischen Instrumente.
Akustik der Musikinstrumente und psychoakustische Grundlagen der Instrumentenerkennung. Klanganalyse durch Fourier- und Gabortransformation.

Lit.:

•    Casella, A. Mortari, V. (1961), Die Technik des modernen Orchesters. Mailand: Ricordi, Emil-Figge-Bücherei: MUT 280/187//2.
•    Donald E. Hall (2008), Musikalische Akustik, Mainz: Schott, Emil-Figge-Bücherei: MUT 840/4.
•    Hornbostel, Erich Moritz v., Sachs, Curt, Systematik der Musikinstrumente. Ein Versuch. In: Zeitschrift für Ethnologie. Band 46, Nr. 4–5, 1914, S. 553–590.
www.oberlin.edu/faculty/rknight/Organology/H-S-1914-German.pdf
•    Mertens, Paul-Heinrich (1975), Die Schumannschen Klangfarbengesetze und ihre Bedeutung für die Übertragung von Sprache und Musik. Frankfurt a. M. Bochinsky, Emil-Figge-Bücherei: MUT 840/23.
•    Sachs, Curt (1930 u. 1966), Handbuch der Musikinstrumentenkunde. Leipzig: Breitkopf & Härtel Zentralbücherei: ZB Yf 156, Emil-Figge-Bücherei: MUT 280/124
•     https://de.wikipedia.org/wiki/Hornbostel-Sachs-Systematik


Elemente der musikalischen Akustik

Do. 16 bis 18 Uhr · EF 50 Raum 4.310 · Beginn: 18.10.2018 · 160129

Die musikalische Akustik ist eine wissenschaftliche Disziplin, die die gesamten musikalischen Aktivitäten des Menschen aus der Perspektive der Naturwissenschaften betrachtet. Ihr Ziel ist es zu verstehen,wie Musik sowohl physikalisch als auch psychologisch „funktioniert“. Die musikalische Akustik kann als „multidisziplinär“ bezeichnet werden, weil sie Methoden und Erkenntnisse der Physik, der Physiologie, der Psychologie und der Ingenieurwissenschaften (soweit sie mit der Erzeugung, Aufzeichnung oder der Wiedergabe von musikalischen Klängen befasst sind) anwendet. Musik war und ist von grundlegender Bedeutung für den Menschen. Sie war in der Geschichte zu allen Zeiten ein bedeutender Teil der menschlichen Kultur und deshalb auch zu allen Zeiten Gegenstand der Reflektion. Der als Musik bezeichnete Schall ist Gegenstand der Physik, insbesondere der Akustik, das Hören von Schall wird durch die Psychoakustik beschrieben. Zu ihr gehören  sowohl die Physiologie des peripheren Gehörs als auch die Neuroakustik.


Kursinhalte:
Schwingungen, Eigenschaften von Schallwellen, Wellenfortpflanzung, stehende Wellen, Röhren-und Saitenschwingungen, Fourieranalyse, Schallintensität, Lautheitswahrnehmung, Tonhöhe, Harmonie, Richtungshören, das auditorische System, Raumakustik, Schallaufzeichnungs- und Übertragungsysteme, digital audio, Grundlagen der Musikkognition

Lit.:

•    Donald E. Hall (2008), Musikalische Akustik, Mainz: Schott, Emil-Figge-Bücherei: MUT 840/4.
•    William M. Hartmann (1998), Signals, Sounds, and Sensation, New York: Springer.
•    William M. Hartmann (2013), Principles of Musical Acoustics, New York: Springer.
•    Johannes Barkowsky (2009), Einführung in die musikalische Akustik. Wilhelmshaven: Noetzel, Zentralbücherei: Yf3892