Martin Ebeling

Veranstaltungen im Sommersemester 2018


Hören und Musik

Mi. 12 bis 14 Uhr · EF 50 Raum 4.310 · Beginn: 19.03.2018

Das Hören von Musik beruht auf dem Gehörsinn, einem komplexen physiologisch-psychologischem Wahrnehmungssystem, das beim Hören von Musik das Material für das musikalische Denken und Empfinden erst erzeugt. Die Eigenschaften und Fähigkeiten des Gehörsinns bestimmen daher entscheidend, was von dem als Musik erzeugten Schall – dem äußeren Reiz – beim Hören letztendlich zur wahrgenommenen Musik wird.

Zum Musikhören gehören als Vorstufen eine Reihe von Transformationen, die aus dem Schallsignal durch seine Verarbeitung in der Gehörperipherie und der neuro-akustischen Kodierung und Verarbeitung schließlich mit Hilfe komplexer psychischer Funktionen das Musikhören mit seinen kognitiven und emotionalen Bestandteilen hervorbringen. Es sind also akustische, physiologische, neuro-akustische, wahrnehmungspsychologische und kognitionspsychologische Prozesse zu untersuchen, um die Antezedenzien des Musikhörens und die Strukturen des musikalischen Denkens und Fühlens zu verstehen.

Kursinhalte: Eigenschaften musikalischer Signale, akustische Klanganalysen, Schallanalyse durch das Hörsystems, Psychoakustik des Musikhörens, Musikneurologie, psychische Funktionen und Musikhören, das Denken in Musik, die emotionale Wirkung von Musik.

 

Lit.:

Bregmann, Albert S. (1990), Auditory scene analysis, Cambridge: MIT

Internetseite: http://webpages.mcgill.ca/staff/Group2/abregm1/web/

William M. Hartmann (1998), Signal Sound and Sensation, New York: Springer. (UB Bochum – Fak, Mathematik)

Donald E. Hall (1997), Musikalische Akustik, Mainz: Schott. (EF MUT 840/4 u. ZB Yf 3391)

Gerald Langner (2015). The Neural Code of Pitch and Harmony. Cambridge: Cambridge University Press, (EF MUG 460/119)

Brian C. J. Moore, An Introduction to the Psychology of Hearing, 6th Edition. Leiden / Boston 2013 (als pdf)

David Poeppel (2012). The Human Auditory Cortex. New York: Springer, (ZB L 26063)

William A. Yost (52000), Fundamentals of Hearing, San Diego:Academic Press (UB Bochum – Inst. Psychol. / Fak. Elektrotech.)

Eberhard Zwicker& Hugo Fastl (2007), Psychoacoustics: factsand models, Berlin: Springer (ZB Be 10114/3)

Carl Stumpf (1883 / 1890). Tonpsychologie. Leipzig: Hirtzel (EF MUG 460/121-1 u. MUG 460/121-2)


Geometrie der Töne

Do. 14 bis 16 Uhr · EF 50 Raum 4.310 · Beginn: 19.04.2018 · 160137

Die elementaren musikalischen Objekte sind keine einfachen Abbilder musikalisch-akustischer Reize. Vielmehr handelt es sich bei musikalischen Objekten um psychische Gebilde (Gestalten), die in Verbindung mit musikalischen Hörempfindungen oder Hörvorstellungen durch Abstraktionen entstehen und erst so die grundlegenden Inhalte musikalisch-kognitiver Funktionen bilden.

Sie zeigen Strukturen, die auch bei anderen psychischen Gebilden zu beobachten sind. Gerade durch die Abstraktion entstehen Muster, wie sie auch geometrische und mathematische Strukturen aufweisen, so dass die mathematische Beschreibung zu strukturellen Einsichten musikalischer Kognitionen führt.

Als Beispiele für mathematisch-musikalische Strukturen seien genannt:

·       Topologie der Tonhöhe;

·       logarithmisches Tonhöhenempfinden;

·       Stimmungssysteme;

·       zyklische Struktur der Tonigkeit / Chroma;

·       pitch-class model;

·       Geometrie der Akkorde;

·       Symmetrien und Symmetrieoperationen;

·       Akkordstruktur und Stimmführung;

·       Modulationen und Modulationsmittel;

·       Inkonsistenz der Funktionentheorie der Harmonielehre (Simplextheorie der Akkorde).

Im Kurs wollen wir geometrisch-mathematische Strukturen bei musikalischen Objekten untersuchen und prüfen:

·       inwieweit diese Strukturen tatsächlich hörbar sind und

·       welche Folgerungen sich für das Hören und Denken in Musik ergeben.

Es werden keine mathematischen Fachkenntnisse vorausgesetzt.

 

Referatthemen können in der ersten Sitzung abgesprochen werden.

 

Lit.:

Martin Ebeling (2014). Die Ordnungsstruktur der Töne. In: Wolf Gerhard Schmidt (Hg.): Faszinosum ‚Klang‘. Berlin: de Gruyter

Guerino Mazzola (1995). Geometrie der Töne: Elemente der Mathematischen Musiktheorie. Basel: Birkhäuser.

Guerino Mazzola (2002). The Topos of Music. Geometric logic of concepts, theory, and performance. Basel: Birkhäuser.

Dmitri Tymoczko (2011), A Geometry of Music. Harmony and Counterpoint in the Extended Common Practice. New York: Oxford University Press