Martin Ebeling

Veranstaltungen im Wintersemester 2019/20


Musikarcheologie

Do. 12:00–14:00 · EF 50 Raum 4.307 · Beginn: 17.10.2019 · 160155

Bis zum Beginn der 80-er Jahre haben archäologische Funde in der Musikwissenschaft kaum Beachtung gefunden. Spärliche Einzelfunde aus lokal beschränkten Grabungen konnten erst allmäh­lich in umfassendere Kontexte eingeordnet werden. Im Jahr 2010 wurde das European Music Ar­chaeology Projekt (EMAP) ins Leben gerufen, an dem sich zehn Institute aus sieben Ländern betei­ligen. Inzwischen hat sich das Fach Musikarchäologie etablieren können. Es erlaubt eine globalere Perspektive auf die Musik früherer Epochen.

Bei den frühesten musikarchäologischen Funden handelt es sich um Knochen- und Elfenbeinflöten, die mindesten 40.000 Jahre alt sind und in Höhlen im Achtal bei Blaubeuren von Archäologen der Universität Tübingen ausgegraben wurden. Anthropologen schließen daraus, dass das Musizieren zum modernen Menschen untrennbar dazugehört.

Ab der Jungsteinzeit (Neolithikum, ab etwa 11500 v. Chr.) entstanden bäuerliche Kulturen, die Mu­sikinstrumente und andere Spuren musikalischer Praxis hinterlassen haben.

Ab der Bronzezeit lassen sich Musikinstrumente mit ihrem Klang in soziologische und kulturelle Kontexte einordnen. Es sind mittlerweile immer mehr archäologische Funde gemacht worden. Da­neben fand man bildliche Darstellungen von Musikern mit ihren Instrumenten und frühe Textzeug­nisse zur Musikausübung verschiedener Kulturen.

Aus der Zeit der klassischen Antike lassen sich sogar einzelne Musikstücke rekonstruieren, weil Beispiele von Musiknotationen und eine Reihe umfangreicher Werke zur antiken Musiktheorie überliefert sind. Auch bei Grabungen in Klöstern und Städten des Mittelalters sind bemerkenswerte Funde von Mu­sikinstrumenten und Musikhandschriften gemacht worden. Zwischen der Musikarchäologie, der Musikethnologie und der Anthropologie gibt es zahlreiche be­merkenswerte Bezüge.

Im Rahmen des Kurses ist vom Freitag, dem 24.01.2020 bis zum Montag, den 27.01.2020 eine Exkursion ins Achtal nach Blaubeuren geplant. In der Höhle Geißklösterle ist das älteste heute bekannte Musikinstrumente, nämlich eine Schwanenknochenflöten, gefunden wurden. Wir werden in einer fachkundigen Führung die  Fundstelle besuchen und paläolithische Funde, darunter auch Musikinstrumente, im Urzeitlichen Museum Blaubeuren besichtigen. Repliken dieser Funde werden uns von Spezialisten für Steinzeitflöten zu Gehör gebracht

Lit.:

Stefano de Angelo, Arndt Adje Both, Stefan Hagel, Peter Holms, Raquel Jiménez Pasalodos, Cajsa S. Lund (Hg.) 2018, Music and Sounds in Ancient Europe. Contributions from the European Music Archaeology Project. Roma: revelox (siehe moodle).


Instrumentenkunde

Do. 14 bis 16 Uhr · EF 50 Raum 4.313 · Beginn: 17.10.2019 · 160173

In der Musikwissenschaft wird die sog. Hornbostel-Sachs-Systematik zur Einteilung der Musikin­strumente verwendet. Erich Moritz v. Hornbostel und Curt Sachs haben diese Systematik 1914 ent­worfen und die Instrumente nach der Art des Klangerzeugers (schwingende Saite, Luftsäule, Mem­bran oder Platte u.s.w.) geordnete. Diese Einteilung beruht also auf einem akustischen Kriterium und erlaubt es, die Klangeigenschaften der Instrumente auf  wenige physikalische und psychoakus­tische Grundsätze zurückzuführen, die dann für ganze Instrumentenfamilien gültig sind.

Inhalte:

Im Seminar werden wir aus jeder Instrumentenfamilie Beispiele von Musikinstrumenten näher un­tersuchen. Das werden sowohl europäische als auch außereuropäische Instrumente aus den ver­schiedensten Epochen sein. Besonders die verschiedenen Arten der Tonerzeugung, die unterschied­lichen Spielweise und der spezifische Klang sollen dabei im Mittelpunkt stehen.  

Lit.:

  • Casella, A. Mortari, V. (1961), Die Technik des modernen Orchesters. Mailand: Ricordi (für UB bestellt, jetzt: Folkwang Bibliothek)
  • Donald E. Hall (1997), Musikalische Akustik, Mainz: Schott
  • Hornbostel, Erich Moritz v., Sachs, Curt, Systematik der Musikinstrumente. Ein Versuch. In: Zeitschrift für Ethnologie. Band 46, Nr. 4–5, 1914, S. 553–590 http://www.oberlin.edu/faculty/rknight/Organology/H-S-1914-German.pdf
  • Mertens, Paul-Heinrich (1975), Die Schumannschen Klangfarbengesetze und ihre Bedeutung für die Übertragung von Sprache und Musik. Frankfurt a. M. Bochinsky (EF MUT 840/23).
  • Sachs, Curt (1930 u. 1966), Handbuch der Musikinstrumentenkunde. Leipzig: Breitkopf & Härtel (ZB Yf 156, EF MUT 280/124)
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Hornbostel-Sachs-Systematik

Auditorisches System

Do. 10 bis 12 Uhr · EF 50 Studiobühne · Beginn: 17.10.2019 · 160132

Die Musikwahrnehmung basiert auf den außergewöhnlichen Hörleistungen des auditorischen Sys­tems. Dieses bringt die elementaren Hörempfindungen wie laut – leise, hoch – tief, glatt – rauh, hohl – voll und andere erst hervor, auf denen unter anderem die Tonparameter der Musik beruhen. Neben der physiologischen Beschreibung des Gehörs sind es insbesondere psychoakustische und tonpsychologische Untersuchungen, die zum Verstehen dieser Hörleistungen notwendig sind.    

Die Psychoakustik beschreibt die gesetzmäßigen Zusammenhänge zwischen dem äußeren, akusti­schen Reiz und der Hörempfindung. Die Tonpsychologie untersucht die psychischen Funktionen, welche durch Töne angeregt werden. Zusammen beschreiben diese Untersuchungen die Grundlagen für die höheren psychischen Funktionen der Musikkognition.

Die Leistungen des auditorischen Systems prägen und bestimmen die Elemente der Musik. Nur vor ihrem Hintergrund ist der Ursprung der Musik im menschlichen Bewusstsein zu verstehen.

Inhalte:

peripheres Gehör, Musikneurologie, Tonparameter, auditorische Filter, neuronale Periodizitätsanaly­se, Tonhöhe und Klangfarbe, Rhythmuswahrnehmung, kortikale Repräsentation von Schall, audito­rische Gestalten und „auditory grouping“.

Lit.:

Bregmann, Albert S. (1990), Auditory scene analysis, Cambridge: MIT

Internetseite: http://webpages.mcgill.ca/staff/Group2/abregm1/web/

William M. Hartmann (1998), Signal Sound and Sensation, New York: Springer. (UB Bochum – Fak, Mathematik)

Donald E. Hall (1997), Musikalische Akustik, Mainz: Schott. (EF MUT 840/4 u. ZB Yf 3391)

Gerald Langner (2015). The Neural Code of Pitch and Harmony. Cambridge: Cambridge University Press, (EF MUG 460/119)

David Poeppel (2012). The Human Auditory Cortex. New York: Springer, (ZB L 26063)

William A. Yost (52000), Fundamentals of Hearing, San Diego:Academic Press (UB Bochum – Inst. Psychol. / Fak. Elektrotech.)

Eberhard Zwicker& Hugo Fastl (2007), Psychoacoustics: factsand models, Berlin: Springer (ZB Be 10114/3)

Carl Stumpf (1883 / 1890). Tonpsychologie. Leipzig: Hirtzel (EF MUG 460/121-1 u. MUG 460/121-2)