Martin Ebeling

Veranstaltungen im Sommersemester 2020


Tonpsychologie

Do. 12:00–14:00 · EF 50 Raum 4.307 · Beginn: 16.04.2020 · 160185

Tonpsychologie will »die psychischen Funktionen beschreiben [...], welche durch Töne angeregt werden« (Carl Stumpf 1883, Vorwort zur Tonpsychologie Bd. I, S. V).

Alle Sinneswahrnehmungen können von zwei Standpunkten aus betrachtet werden. Einerseits kann der äußere Reiz und seine physiologische Verarbeitung im Sinnesorgan betrachtet werden, andererseits kann die Sinnesempfindung als inneres Erleben untersucht werden.

So ist es auch bei Tönen:die Akustik beschreibt Töne aus physikalischer Sicht, die Neuroakustik analysiert ihre Verarbeitung im Hörsystem. Der Ton ist aber als Hörerlebnis ein psychisches Phänomen, das die Tonpsychologie untersucht. Töne sind die kleinsten Bausteine der Musik. Wesentliche Voraussetzungen des Musikhörens ergeben sich daher aus dem Hörphänomen Ton. Die grundlegenden Aspekte des Musikerlebnisses werden erst aus der Tonpsychologie heraus verständlich.

Im Seminar wollen wir hörend, also mit eigenen Ohren, ergründen, wie wir Töne selber erleben und welche Eigenschaften unser Hörerlebnis hat. Unsere Hörerfahrungen werden wir mit den Beschreibungen und Erklärungen in Carl Stumpfs wegweisenden, psychologischen Untersuchungen der Tonpsychologie vergleichen und ergänzen.

Als freie Software zur Klangerzeugung ist das plattformunabhängige Programm pure data in der Version Pd-extended zu empfehlen. Auf der Seite https://puredata.info/downloads/pd-extended findet man Pakete zum Download für alle Betriebssysteme und neben einem nützlichen Tutorial auch umfangreiche Dokumentationen.

 

Lit.:

Carl Stumpf (1883 / 1890). Tonpsychologie. 2 Bd., Leipzig: Hirzel. In der Emil-Figge Bücherei ausleihbar unter: MUG 460/121-1 und MUG 460/121-2 oder als E-Book. Die Tonpsychologie kann auch von der Webseite archiv.org heruntergeladen werden.

Sehr empfehlenswert ist die Einführung zu Pd von Johannes Kreidler, Musikhochschule Freiburg:
Johannes Kreidler (2009). loadbang. Programmierung Elektronischer Musik in Pd. pdf vom Autor, wird den Teilnehmern über moodle zur Verfügung gestellt.


Grundlagen empirischer Musikforschung

Do. 14 bis 16 Uhr · EF 50 Raum 4.310 · Beginn: 16.04.2020 · 160186

In der empirischen Musikforschung werden, je nach der Fragstellung, die Forschungsmethoden anderer Wissenschaften übernommen. Um über mehr oder weniger begründete Meinungen hinaus zu gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu gelangen, ist es in weiten Bereichen der Musikwissenschaft, wie in der Musikpsychologie, der Musiksoziologie, der Musikpädagogik oder der Musikethnologie unumgänglich, quantitative, also messende und zählende Verfahren einzusetzen.

Die Messtheorie behandelt die Frage der Datenerhebung, mit der deskriptive Statistik werden  diese Daten dann auf gesetzmäßige Strukturen und Zusammenhänge untersucht und anschaulich dargestellt. Darauf aufbauend können Hypothesen formuliert werden. Die Inferenzstatistik oder auch schließende Statistik beschäftigt sich mit der Hypothesenbewertung mit dem Ziel, allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten abzuleiten und abzusichern.

Im Seminar werden die Grundlagen der Wissenschaftstheorie und verschiedene Methoden der Erkenntnisgwinnung in der Psychologie, wie Introspektion und Vergleich mit fremden Angaben, Sammlung von Urteilsreihen, Modellbildung u.s.w. erörtert. Ein besonderes Gewicht liegt auf dem in den Sozialwissenschaften und der Psychologie etablieren Erkenntnisweg mittels Datenerhebung und statistischer Auswertung, den wir im Seminar nachvollziehen und an Beispielen der empirischen Musikforschung veranschaulichen und einüben werden. Dabei werden wir uns üblicher Tabellenkalkulationsprogrammen wie Excel und der freien und für alle Betriebssysteme verfügbare  Statistiksoftware R bedienen. www.r-statistik.de

Die Teilnehmer sollen befähigt werden, quantitative Forschungsmethoden anzuwenden und selbständig statistische Erhebungen für ihre Abschlussarbeiten durchführen und auswerten zu können.

 

Lit.

Jürgen Hedderich, Lothar Sachs (2018). Angewandte Statistik. Methodensammlung mit R. Berlin: Springer Spektrum. Von der Homepage der UB herunterladbar.

Walter Hussy, Margrit Schreier, Gerald Echterhoff (2013). Forschungsmethoden in Psychologie und Sozialwissenschaften für Bachelor. Berlin: Springer. Von der Homepage der UB herunterladbar.

Uwe Saint-Mont (2011). Statistik im Forschungsprozess. Eine Philosophie der Statistik als Baustein einer integrativen Wissenschaftstheorie. Heidelberg: Springer. Von der Homepage der UB herunterladbar.


Die Orgel

Do. 16 bis 18 Uhr · EF 50, Raum 4.310 · Beginn: 16.04.2020 · 160188

Pfeifenorgeln findet man in fast allen Kirchen, in Synagogen, in repräsentativen Gebäuden, in großen Sälen, in Theatern und als Hausorgeln sogar gelegentlich in Privathaushalten.

Orgeln wurden bereits in der Antike gebaut.  Deshalb spiegelt der Orgelbau mehr als 2000 Jahre Musikgeschichte wider und zeigt in seiner handwerklichen Kunst den Erfindungsreichtum und den akustischen Spürsinn von Orgelbauern der verschiedensten Epochen. Er reflektiert den sich stets än­dernden Musikgeschmack ebenso, wie historische, weltanschauliche, soziologische und technische Veränderungen.

Ausgehend von den akustischen und technischen Grundlagen der Orgel (Spielmöglichkeiten auf der Orgel, Akustik der Labial- und Zungenpfeifen, Mechanik der Trakturen, Einfluss der Raumakustik etc.) werden wir uns in dem Seminar den verschiedenen Orgeltypen, der Stilistik der zugehörigen Orgelkompositionen, Fragen der Prospektgestaltung , verschiedenen Orgellandschaften und bedeu­tenden Orgelbauern sowohl in historischem als auch im  ästhetischen Vergleich zuwenden.

Im Rahmen des Seminars sind der Besuch einer Orgelbaufirma – wahrscheinlich Orgelbau Klais, Bonn - und die Besichtigung und Präsentation von Orgeln in der Region vorgesehen; Vorschläge der Teilnehmer werden gerne aufgenommen.

 

Lit:

Wolfgang Adelung (1991). Einführung in den Orgelbau. Wiesbaden: Breitkopf & Härtel.

Eberhard Kraus (1972). Orgeln und Orgelmusik. Regensburg: Friedrich Pester.

Werner Lottermoser (1983). Orgel, Kirchen und Akustik. 2 Bände. Frankfurt a. M.: Verlag Erwin Bochinsky.

Walter Supper (1950). Die Orgeldisposition. Kassel: Bärenreiter.