Martin Ebeling

Veranstaltungen im Wintersemester 2021


Hinweis: Die Anmeldung im LSF ist unbedingt erforderlich!


Konsonanz und Dissonanz – musikalisch, psychologisch, physiologisch, akustisch

Fr. 12 bis 14 Uhr · Online · Beginn: 15.10.2021 · 160150

Das musiktheoretische Konzept von Konsonanz und Dissonanz beruht auf Empfindungen, die beim Hören gleichzeitiger Töne entstehen. Konsonante Intervalle klingen „einheitlicher“ als dissonante Intervalle, ein wahrnehmungspsychologisches Phänomen, das als Tonverschmelzung bezeichnet wird. Zusätzlich zu den Primärtönen können, abhängig vom Intervall, begleitende Empfindungen, wie Kombinationstöne, Raumempfindungen und Rauhigkeiten in unterschiedlichem Grad entstehen.

Die Unterscheidung von konsonanten und dissonanten Intervallen ist in der Musiktheorie seit der Antike von zentraler Bedeutung. Dabei änderte sich die Auffassung von Konsonanz und Dissonanz über die Jahrhunderte. Und verschiedene Musikstile unterscheiden sich wesentlich in der satztechnischen Behandlung von Dissonanzen und Konsonanzen.

Versuche zur Erklärung des Konsonanzphänomens führten weit über ein rein musiktheoretisches Interesse hinaus. Seit der Antike gibt es metaphysische, zahlen-spekulative Deutungen. Seit der Neuzeit treten zunehmend physikalische Betrachtungen, also Erklärungsversuche auf der Reizebene, hinzu. Seit dem 19-ten Jahrhundert werden psycho- und neuroakustische Modelle der Konsonanz entwickelt, sowie psychologische Erklärungsversuche vertreten. Diese Überlegungen beziehen die Reizverarbeitungsebene mit ein.

Für die Philosophie wurde das Wesen der Konsonanz nicht nur Gegenstand ästhetischer Überlegungen, sondern erlangte auch erkenntnistheoretische Bedeutung, weil es auf das Leib-Seeleproblem verweist.

In dem Kurs werden wir die Konsonanz- und Dissonanzbehandlung in der Satztechnik verschiedener Epochen behandeln und die wichtigsten Erklärungsmodelle des Konsonanzempfindens von der Antike bis zur Gegenwart vor dem geistesgeschichtlichen Hintergrund der jeweiligen Epoche. kennenlernen.

 

Literatur:

MGG-Artikel Konsonanz Dissonanz; ergänzend: MGG-Artikel Intervalle / Kontrapunkt

Weitere Literatur wird im Seminar besprochen.


Bau und Akustik der Streichinstrumente

Fr. 10 bis 12 Uhr · Online · Beginn: 15.10.2021 · 160149

Streichinstrumente werden in Europa seit mehr als 1000 Jahren gespielt und haben mit ihrem variablen und lebendigen Klang eine bevorzugte Stellung unter den Musikinstrumenten erlangt. Einerseits hängen die Klangeingenschaften vom Material und Bau des Instruments ab, auf der anderen Seite bedarf es einer entwickelten Spieltechnik, um die vielfältigen Klangmöglichkeiten eines Streichinstruments voll zu entfalten.

Zur Akustik der Streichinstrumente sind insbesondere in den letzten 50 Jahren umfassende Untersuchungen entstanden, die auch für die musikalische Praxis große Relevanz besitzen und unter Musikern großes Interesse gefunden haben.

Im Seminar werden wir uns auf der Grundlage von Untersuchen klar machen, wie der Klang der Streichinstrumente von ihrem Material, ihrer Form, ihrem Bau und ihrer Spielweise abhängt. Themen werden etwa sein:

•      Was ist das Typische des Streicherklangs?

•      Was ist der „schöne“ Ton eines Streichinstruments und wovon hängt er ab?

•      Wie schwingt der Instrumentenkörper?

•      Was macht eine „gute“ Geige aus?

•      Welche Schwingungsformen haben die Saiten?

•      Welche Arten der Klangerzeugung - mit und ohne Bogen – gibt es und welchen Klang bewirken sie?

•      Welche Unterschiede ergeben sich zwischen stehendem und sitzendem Spiel.

•      Welche physischen Belastungen sind mit dem Geigenspiel verbunden und wie vermeidet man Belastungserkrankungen?

•      Wie hat der Klang der Streichinstrumente die Orchesteraufstellungen beeinflusst?

•      Berühmte Geigenbauer

 

Lit.:

MGG-Artikel zur allen Streichinstumenten und zum Streichinstrumentenbau.

V. Bucur (2016). Handbook of Materials for Strimng Musical Instruments. ebook: Springer Switzerland

L. Cremer (1981). Physik der Geige. Stuttgart: Hirzel

N.H. Fletcher / T.D. Rossing. (2010). The Physics of Musical Instruments. New York: Springer

W. Güth. (1995). Einführung in die Akustik der Streichinstrumente. Stuttgart: Hirzel

C. Wasmer / F. Eickhoff (2011). Vergleichende Untersuchungen zur Spielbewegung bei Geigern.

Bochum / Freiburg: projektverlag

K. Winkler (Hg. 1988). Die Physik der Musikinstrumente. Heidelberg: Spektrum der Wissenschaft: Verständliche Forschung

Für die erste Jahreshälfte 2022 ist eine Exkursion nach Mailand mit einem Abstecher nach Cremona geplant. Dort werden wir das Museo del Violino di Cremona besuchen, das Instrumente der berühmtesten italienischen Geigenbauer zeigt und auch zum Klingen bringt.