Johann Friedrich Reichardt schrieb in seinem dritten Brief eines aufmerksamen Reisenden, die Musik betreffend 1774: „Wenn man mich fragen wollte, wie ein Mann beschaffen sein müsse, der eine solche musikalische Reise unternehmen und zu seinem und anderer Vorteil unternehmen sollte, so würde ich sagen:

Es muß ein Mann sein, der von Natur ein feines, richtiges Gefühl und Scharfsinn besitzt; ein Mann, der gründliche Kenntnisse der Kunst und selbst Erfahrung im Setzen hat; ein Mann, der durch das Lesen und Studieren der Werke der besten Meister und auch verschiedener Werke einen gesetzten und bestimmten Geschmack bekommen, der aber weiter noch keine Partei ergriffen und für nichts ausschließend eingenommen ist, sondern deshalb reiset, um zu hören – denn dieses ist in der Musik himmelweit vom Anschauen verschieden –, um zu hören, was er hernach für das Beste zu halten habe; weiter ein Mann, der seinen Endzweck während der Reise beständig vor Augen hat und diesem alles andere aufopfert; und endlich ein Mann, der auch die Gabe hat, das, was er erfahren, anderen auf eine überlegte, bestimmte, deutliche und angenehme Art mitzuteilen."

Vor mehr als 200 Jahren entwickelte der Musikkritiker ein Idealbild seiner Zunft. Heute könnte man von Teilbereichen des Musikjournalismus sprechen, die sich sowohl in der Lehre als auch in der Forschung wiederfinden: Wie „das, was er erfahren“ mitgeteilt werden kann, wird heute unter dem Begriff der Vermittlung zusammengefasst und gehört zu den wesentlichen Aspekten, die in der aktuellen Medienwelt stets neu überdacht werden müssen: Die (musik-)journalistische Formatentwicklung zählt demnach genauso zu den Forschungsinteressen wie die Fragen nach Vermittlungsstrategien in musikjournalistischen Kontexten, sowohl aus historischer Perspektive als auch vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Musiklebens: Längst bedeutet Musikjournalismus weit mehr als das Rezensentenwesen hauptamtlicher Musikkritiker. 

Mediale Musikvermittlung gründet auf der Verbindung von musikalischer und musikwissenschaftlicher Sachkenntnis – „Kenntnisse der Kunst“ bzw. „Studieren der Werke der besten Meister“, wie Reichardt forderte. In Dortmund hat neben der traditionellen musikwissenschaftlichen Forschung die Interpretationsforschung einen besonderen Stellenwert: In einem internationalen Forscherverbund sollen Erkenntnisse über die Wahrnehmung von Musik, speziell über die Wahrnehmung verschiedener Interpretationen eines bestimmten Werkes, geliefert werden. 

Grundlegende, an den Erfordernissen der Berufspraxis ausgerichtete Erkenntnisse zu diesen Aspekten sollen in einem „Handbuch Musikjournalismus“ veröffentlicht werden.

Forschungsschwerpunkte

Seit 2005 existiert an der TU Dortmund, Institut für Musik und Musikwissenschaft, eine Professur für die Bereiche Musik und Medien sowie Musikjournalismus. Zu den Forschungsschwerpunkten der Professur zählen folgende Bereiche:

  • Musik und Medien
  • Musikjournalistische Vermittlung
  • Musikjournalistische Formatentwicklung
  • Geschichte des Musikjournalismus
  • Sprache der Musikkritik