Martin Ebeling

Veranstaltungen im Wintersemester 2016/2017

Tonpsychologie

Do., 10:00–12:00 · EF 50, Tonstudio · Beginn: 20.09.2016 · 160195

Der Ton ist eine Sinnesempfindung. Als Reaktion auf einen äußeren Reiz wird sie vom Hörsystem hervorgebracht (Emergenz). Als reine Tonvorstellung ist sie Inhalt einer psychischen Funktion. Die Tonpsychologie untersucht nicht nur die Grundeigenschaften der Tonempfindung, sondern auch die Verhältnisse zwischen mehreren Tönempfindungen. Die Verhältnisse zwischen sukzessiven Tönen sind Grundlage der Melodiewahrnehmung, die Verhältnisse zwischen simultanen Tönen sind die Grundlage der Harmoniewahrnehmung.

Aus den Tonempfindungen entstehen durch elementare Gestaltbildungsprozesse die einfachen musi­kalischen Gebilde, aus denen durch höhere gestaltbildende Funktionen übergeordnete musikalische Gestalten im zeitlichen Ablauf gebildet und ästhetisch beurteilt werden.

Inhalte des Seminars:

  • vom akustischen Reiz zur Tonempfindung: Eigenschaften der Hörwahrnehmung
  • Tonmomente: Tonhöhe, Lautheit, Tondauer, Klangfarbe
  • beeinflussende Faktoren er Hörwahrnehmung: Aufmerksamkeit, Übung, Lernprozesse
  • Struktur von Tonsystemen und Tonhöhe
  • Wahrnehmung sukzessiver Töne: psychologische Intervalllehre, Tonalität,, Rhythmus und Tonord­nung, Gestalt der Melodie
  • Wahrnehmung simultaner Töne: psychologische Grundlagen der Mehrstimmigkeit, Konsonanz und Dissonanz, Akkordgestalten und Harmonie
  • Musik als Zeitgestalt

Literatur:

  • Bregmann, Albert S. (1990), Auditory scene analysis, Cambridge: MIT.
  • Internetseite: http://webpages.mcgill.ca/staff/Group2/abregm1/web/
  • Jacques Handschin, Der Toncharakter, Yf 2502/2.
  • Ernst Kurth, Musikpsychologie.
  • G. Révész (1946). Einführung in die Musikpsychologie. Bern: A. Francke.
  • Carl Stumpf (1883 / 1890). Tonpsychologie. Leipzig: Hirtzel.
  • Carl Stumpf (1939 / 1940). Erkenntnislehre. Leipzig: Hirtzel, PHF 2/24-1 u. PHF 2/24-2.
  • Albert Wellek (1963). Musikpsychologie und Musikästhetik. Frankfurt a. M.: Akademische Verlagsgesellschaft, Yf 949.

Die Veranstaltung im LSF.


Tonsatzseminar

Do., 12:00–14:00 · EF 50, 4.313 · Beginn: 20.09.2016 · 160159

Die als „frühe Mehrstimmigkeit“ bezeichnete Musik ist weitgehend als geistliche Musik in den Klöstern des Mittelalters gepflegt worden und umspannt die Zeit vom 9-ten bis zum Ende des 13-ten Jahrhunderts. Ihre Anfänge liegen im liturgischen Parallelgesang des Organum, aus dem über mehrere Entwicklungsschritte bis zur der ersten Hälfte des 13-ten Jh. an Notre-Dame in Paris der als ars antiqua bezeichnete Kompositionsstil entwickelt wurde. Die in der 2-ten Hälfte des 13-ten Jh. gepflegte ars nova sorgte mit der Erfindung der Modalnotation und der Isorhythmik für eine klare zeitliche Organisaiton in der Komposition, die Entwicklung der Motette in Frankreich und Italien einleitete. Erhaltene Originalkompositionen und musiktheoretische Darlegungen in mittelalterlichen Musiktraktaten geben Einblick in das Musikdenken und die Satztechniken der Zeit.

Im Seminar werden wir uns durch Analyse von Originalkompositionen und kursorisches Lesen zeit­genössischer, musiktheoretischer Texte mit dem mittelalterlichen Musikdenken und den Satztechni­ken vertraut machen. Neben einfachen satztechnischen Übungen wollen wir hauptsächlich eigene Stücke im Stil der frühen Mehrstimmigkeit schreiben oder einige kompositorischen Konzepte der frühen Mehrstimmigkeit frei auf eigene Kompositionen übertragen. Am Ende des Seminars werden die Studentenarbeiten in einem Konzert vorgestellt.

Tonsatzkonzert

am Donnerstag, 09.02.2017 um 18 Uhr in der Marienkirche zu Witten - (Teilnahmepflicht)

Literatur

  • Musica Enchiriadis, herausgeben von Petra Weber (2016), Paderborn: Wilhelm Fink, MUT 610/9.
  • Hans H. Eggebrecht / Frieder Zaminer (1970/2015), Ad organum faciendum. Mainz: Schott.
  • Hans H. Eggebrecht (Hg.,1984). Die mittelalterliche Lehre von der Mehrstimmigkeit. In: Frieder Za­miner (Hg.), Geschichte der Musiktheorie, Band 5. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Yf 1183-5.
  • Heinrich Husmann (1970/2010). Die mittelalterliche Mehrstimmigkeit. Laaber: Laaber, MUX 1000/1-9+1.
  • Heinrich Husmann (1967). Die drei- und vierstimmigen Notre-Dame-Organa. Hildesheim: Olms, Yf 5090Yf 5090.

Die Veranstaltung im LSF.


Bau und Akustik von Cembalo und Flügel

Do., 14:00–16:00 · EF 50 tonstudio · Beginn: 20.09.2016 · 160196

Cembalo und Klavier gelten als verwandte Instrumente, stehen sich in der musikalischen Praxis häufig nahe, sind aber in ihrem historischen Bezug, in Bauweise, Klanganregung, Spielweise und Akustik verschieden. Beide Instrumente haben Vorläufer- und verwandte Instrumente, auch ohne Tasten aber mit ähnlichen akustischen Eigenschaften, aus denen sie sich bis zur heutigen Form ent­wickelt haben.

Im Seminar werden wir uns mit der Geschichte, der Konstruktion, Bauweise und den akustischen Eigenschaften von Cembalo und Klavier beschäftigen. Die historische Entwicklung beider Instru­mente werden im Zusammenhang mit der historischen Entwicklung der Kompositionen für Cemba­lo und Klavier betrachtet, um die Klangeigenschaften der beiden Instrumente mit den musikästhe­tischen Idealen der historischen Stile  in Beziehung zu setzen.

Literatur:

  • N.H. Fletcher / T.D. Rossing. (2010). The Physics of Musical Instruments. New York: Springer, N 20759.
  • Herbert Junghans (1991). Der Klavier- und Cembalobau. Das Musikinstrument 4, Frankfurt a. M.: Bochinsky.
  • Martin Skowroneck (2003). Cembalobau. Das Musikinstrument 83. Bergkirchen: Bochinsky.
  • K. Winkler (Hg. 1988). Die Physik der Musikinstrumente. Heidelberg: Spektrum der Wissenschaft: Verständliche Forschung, MUT 280/66 / Yf 5599.
  • Klaus Wolters (2001). Handbuch der Klavierliteratur. Zürich: Atlantis-Musikbuch-Verl. Yf 966/5.

Die Veranstaltung im LSF.